Friedrich Wilhelm Joseph Schelling

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Partrait von F. W. J. Schelling

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (* 27. Januar 1775 in Leonberg, Herzogtum Württemberg; † 20. August 1854 in Ragaz, Kanton St. Gallen), ab 1808 Ritter von Schelling, gilt als einer der Hauptvertreter des Deutschen Idealismus und zugleich als zentraler Philosoph der Romantik.

Biografie

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling wurde am 27. Januar 1775 in Leonberg als Sohn des Pfarrers Joseph Friedrich Schelling geboren, der zunächst Pfarrer und Diakon in Leonberg, ab 1777 Lehrer am Höheren Seminar des Klosters Bebenhausen und ein angesehener Orientalist war. Das intellektuelle Milieu in Schellings Elternhaus war von der protestantischen Mystik und pietistischen Innerlichkeit der Schwabenväter Johann Albrecht Bengel und Friedrich Christoph Oetinger geprägt.
Schelling besuchte zunächst die Lateinschule in Nürtingen und danach die evangelische Klosterschule in Bebenhausen. Der als frühreif geltende Schelling lernte dort neben Griechisch und Latein auch Hebräisch, Arabisch und neuere Sprachen mit den älteren Schülern. Dabei wurde Schelling unter anderem sehr von seinem Onkel und Lehrer Nathanael Köstlin geprägt.
Nach Sondergenehmigung konnte Schelling 1790 bereits im Alter von 15 Jahren das zur Eberhard Karls Universität gehörende Tübinger Evangelische Stift besuchen. Dort studierte er gemeinsam mit Friedrich Hölderlin und Georg Wilhelm Friedrich Hegel evangelische Theologie. Zwischen diesen Studenten entwickelte sich eine geistig fruchtbare Freundschaft, weshalb sie als die „Tübinger Drei“ bekannt wurden. Schellings setzte sich zeigt sich in seiner Magister-Dissertation 1792 mit Emanuel Kant auseinander, die eine Abhandlung über den Ursprung des Bösen enthielt. Die Philosophie Spinozas hatte vor allem auf Schellings Früh- und Identitätsphilosophie starken Einfluss.

Nach Beendigung seines Theologiestudiums 1795 ging Schelling zunächst als Hauslehrer nach Stuttgart.
Von 1796 bis 1798 studierte er an der Universität in Leipzig Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin und legte damit die Grundlagen für seine Naturphilosophie. 1803 wurde der Protestant Schelling im Zuge der durch die Säkularisation erforderlichen Neuordnung an die vom Katholizismus geprägte Universität Würzburg berufen.

Mit 23 Jahren war Schelling mit der Unterstützung Goethes ab 1798 außerordentlicher Professor in Jena, dem Zentrum der Frühromantik. Schelling wirkte in Jena in einem Umfeld, zu dem neben Johann Gottlieb Fichte und Goethe auch Friedrich Schlegel und August Wilhelm Schlegel und Novalis gehörte. Er prägte deren frühromantisches Bestreben, die Welt zu "poetisieren" und eine Einheit von Wissen, Kunst und Gefühl zu schaffen.

1803 heiratete Schelling Caroline Schlegel (ehem. Böhmer), die Witwe August Wilhelm Schlegels, was einen gesellschaftlichen Skandal auslöste.
Nach ihrem Tod 1809 heiratete er 1812 Pauline Gotter.

Im Frühjahr 1806 ging Schelling nach München, wo er in den bayerischen Staatsdienst eintrat, Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde und bis 1820 blieb.
1818 wurde Schelling zum Generalsekretär der neugegründeten Akademie der Bildenden Künste in München berufen (Rücktritt 1823). Von 1820 bis 1826 dozierte Schelling daneben als Honorarprofessor ohne feste Lehrverpflichtung in Erlangen.

Im Jahr 1827 wurde er als ordentlicher Professor an die neue Universität München berufen, wo er bis 1841 Vorlesungen hielt. Von 1827 bis 1842 war er Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er war daneben der erste Generalkonservator der neu reformierten Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Akademie (die spätere SNSB). In München verkehrte er ab 1826 mit Georg Friedrich Creuzer, August Neander, Christian August Brandis und Victor Cousin. In München begann die Periode von Schellings Spätphilosophie.

Von 1835 bis 1840 war Schelling der Philosophielehrer des Kronprinzen und späteren Königs Maximilian II. Joseph von Bayern.

1841 wurde Schelling nach Berlin auf den unbesetzten Lehrstuhl Hegels berufen. Er lehrte dort vor allem Religionsphilosophie. Am 15. November hielt er dort seine Antrittsvorlesung und las im Wintersemester „Philosophie der Offenbarung“. Schelling zog sich nach Turbulenzen über die Inhalte seiner Vorlesung von der Lehrtätigkeit zurück, arbeitete aber weiterhin in Berlin, wo ihm am 31. Mai 1842 der Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste verliehen wurde.

Schelling verbrachte den Sommer 1854 zur Kur in Bad Ragaz in der Schweiz. Dort starb er am 20. August 1854.

Philosophie

Schelling entwickelte eine Philosophie, die Subjekt und Objekt, Natur und Geist als identisch im Absoluten begreift. Seine Philosophie zeichnet sich durch den Versuch aus, Natur und Geist zu versöhnen, was ihn zum Begründer der spekulativen Naturphilosophie macht :

  • Naturphilosophie als romantisches Projekt: Im Gegensatz zur bloß mechanischen Betrachtung der Natur (wie in der Aufklärung) sah Schelling die Natur als einen lebendigen, organischen und beseelten Organismus, der "sichtbarer Geist" ist. Die Natur ist für ihn nicht bloß totes Material, sondern produktiv und mit dem menschlichen Geist verbunden.
  • Für Schelling ist die Kunst das "Organon der Philosophie". In der ästhetischen Erfahrung, besonders im Kunstwerk, wird die Einheit von bewusstem Schaffen (Geist) und unbewusster Naturnotwendigkeit am höchsten sichtbar.
  • Schellings Wandel zur Identitätsphilosophie: Schelling vertrat später die Auffassung, dass Natur und Geist (Subjekt und Objekt) im "Absoluten" eine Einheit bilden. Diese Sichtweise, die er zwischen 1801 und 1806 formulierte, ist der Kern seiner Philosophie, die auf die Überwindung des Dualismus abzielte. Seine Identitätsphilosophie ist stark von Spinoza geprägt.

Aufgrund seiner Neigung, seine Ansichten weiterzuentwickeln und kein starres, abgeschlossenes System zu hinterlassen, wurde Schelling oft als "Proteus der Philosophie" bezeichnet. Er hinterfragte seine eigenen Positionen stets selbst. Später wandte Schelling sich einer positiven Philosophie, Mythologie- und Offenbarungsphilosophie zu, die als Gegenspieler zu Hegel galt, in der er versuchte, den wahren Kern von Religionen aufzuzeigen.

Literatur

Weblinks