Mahavastu II - Das Kinnarī Jātaka: Unterschied zwischen den Versionen
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Die Mönche sagten zum Erhabenen: „Yaśodharā wurde vom Erhabenen nach großer Mühe gewonnen.“[1] Der Erhabene antwortete: „Dies war nicht das erste Mal, dass ich Yaśodharā nach großer Mühe gewann. Es gab auch eine andere Gelegenheit, bei der ich sie nach großer Mühe, großer Geduld und großer Anstrengung gewann.“ Die Mönche fragten: „Gab es noch eine andere Gelegenheit, Herr?“ Der Erhabene antwortete: „Ja, Mönche.“ | |||
Es war einmal, Mönche, vor langer Zeit, in Hastināpura[2] ein König namens Subāhu. Er war tugendhaft, majestätisch, mächtig, reich, besaß viele Lasttiere und herrschte über sechzigtausend Städte. (95) | Es war einmal, Mönche, vor langer Zeit, in Hastināpura[2] ein König namens Subāhu. Er war tugendhaft, majestätisch, mächtig, reich, besaß viele Lasttiere und herrschte über sechzigtausend Städte. (95) | ||
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Aktuelle Version vom 20. Februar 2026, 08:34 Uhr
Das Mahavastu II - Das Kinnarī Jātaka - (Nichtkommerzielle Übersetzung der Jones-Ausgabe mit freundlicher Zustimmung der Pali Text Society)
Das Kinnarī Jātaka
Die Mönche sagten zum Erhabenen: „Yaśodharā wurde vom Erhabenen nach großer Mühe gewonnen.“[1] Der Erhabene antwortete: „Dies war nicht das erste Mal, dass ich Yaśodharā nach großer Mühe gewann. Es gab auch eine andere Gelegenheit, bei der ich sie nach großer Mühe, großer Geduld und großer Anstrengung gewann.“ Die Mönche fragten: „Gab es noch eine andere Gelegenheit, Herr?“ Der Erhabene antwortete: „Ja, Mönche.“
Es war einmal, Mönche, vor langer Zeit, in Hastināpura[2] ein König namens Subāhu. Er war tugendhaft, majestätisch, mächtig, reich, besaß viele Lasttiere und herrschte über sechzigtausend Städte. (95)
Er hatte einen Sohn, einen Jungen namens Sudhanu, der liebenswürdig, schön, anmutig, tugendhaft, vornehm, gebildet und seinen Eltern gegenüber pflichtbewusst war. Er war von seinem Vater Subāhu zum Thronfolger ernannt worden und leitete gemeinsam mit den Ministern die Verwaltung der Tausenden von Städten seines Vaters.
König Subāhu, der die Last seiner königlichen Pflichten ablegte, zog sich auf die angenehme Terrasse seines Palastes zurück und ruhte sich aus. König Subāhu hatte einen Nachbarn namens Sucandrima, der gleichaltrig war und mit dem er eng befreundet war. Dieser König regierte in Siṃhapura[3] und war tugendhaft, majestätisch, mächtig und wohlhabend; er besaß viele Lasttiere.
König Sucandrima bereitete ein großes Opfer vor. Er sprach: „Ich werde ein Opfer mit jeder Art von Tier darbringen.“ Er befahl allen Jägern in seinem Reich: „Ich werde ein Opfer mit jeder Art von Tier darbringen. Bringt also alle Lebewesen zusammen, die auf dem Land leben: die Fußlosen, die Zweifüßigen, die Vierfüßigen und die Vielfüßigen.“ Er gab auch den Fischern Anweisungen[4] und befahl ihnen, alle Lebewesen, die im Wasser lebten, herbeizubringen.
Die Wünsche der Götter werden durch ihre Gedanken erfüllt, die der Könige durch ein Befehlswort, die der Reichen schnell und die der Armen durch ihre Arbeit.[5]
Auf Befehl des Königs brachten die Jäger und Fischer alle Lebewesen an Land und im Wasser zusammen.
Sie errichteten ein großes Gehege, in dem sie alle Landtiere einsperrten. Die Fische sammelten sie und hielten sie in einem Becken fest. Jede Art von Lebewesen war dort, nur Kinnarī fehlte.[6]
Als das Opfergehege[7] von König Sucandrima mit allem Notwendigen vorbereitet war, wusch sich der König den Kopf, legte seine Kleider ab und ging nackt auf die obere Terrasse. Dort brachte er mit dem Weihrauch süß duftender Blumen sein Opfer dar. Mit gefalteten Händen verneigte er sich in alle vier Himmelsrichtungen und sprach: (96) „Ich lade alle Seher des Erhabenen, die Meister der vier Meditationen und der fünf Zweige des höheren Wissens sind, die große magische Kräfte besitzen und durch die Luft reisen können, wo immer sie sich auch befinden mögen, im Osten, Süden, Westen oder Norden, ins Opfergehege ein.“
Da folgten all die Seher, die die vier Meditationen vollbracht hatten, Meister der fünf Zweige des höheren Wissens waren, große magische Kräfte besaßen und über immense Macht verfügten, dem Ruf und kamen durch ihre magischen Kräfte fliegend zum heiligen Bezirk. König Sucandrima, der die Seher zum Opferbezirk kommen sah, verneigte sich voller Freude und Zufriedenheit vor ihnen und sprach: „Seht nach, ob der Opferbezirk vollständig ist.“
Die Seher taten dies und sagten zum König: „Eure Majestät, der Opferbezirk ist vollkommen, bis auf eine Sache, die fehlt.“ Der König fragte: „Was fehlt?“ Die Seher antworteten: „Sire, es fehlt eine Kinnarī.“
Da sprach König Sucandrima zu den Jägern: „Diese würdigen Seher sagen, dass dem Opferbezirk eine Kinnarī fehlt. Geht also und bemüht euch, mir eine Kinnarī zu bringen.“
Und der Jäger, der unter Tausenden von Jägern an Energie, Kraft und Mut herausragte, wurde von der ganzen Jägermenge ermutigt. „Du“, sagten sie, „bist fähig und kannst eine Kinnarī zurückbringen.“
So ermutigt von den anderen Jägern und von König Sucandrima, nahm dieser Jäger Bogen und Köcher und stieg in den Himalaya hinauf.
Dort im Himalaya sah er die angenehme Zuflucht eines Sehers, die reichlich mit Wurzeln, Blättern und Früchten gefüllt war.
Er näherte sich dem Seher, verneigte sich vor ihm und blieb stehen. Der Seher hieß ihn willkommen und sprach: „Sei willkommen. Bitte setz dich auf diese Liege.“ Der Seher unterhielt sich freundlich mit dem Jäger und bot ihm, wie es unter Sehern üblich war, Früchte und Wasser an. Der Jäger aß die Früchte, trank das Wasser und setzte sich.
Während er in der Gegenwart des Sehers war, hörte der Jäger einen so süßen Gesang, wie er ihn noch nie zuvor gehört hatte. Er fragte den Seher: „Herr, wem gehört dieses angenehme Lied? Ist es das einer der Deva- oder Nāga-Mädchen?“
Der Seher antwortete: „Dies ist weder der Gesang von Deva-Mädchen noch von Nāga-Mädchen, sondern der der Kinnarīs.
Da fragte der Jäger den Seher: „Herr“, sagte er, „ich höre den Gesang, aber ich sehe die Sänger nicht. Wo singen sie?“ Der Seher antwortete: „Nördlich dieses Zufluchtsortes befindet sich ein großer Lotusteich, in dem zu jeder Jahreszeit duftende Lotusblumen in allen Farben blühen.[9] Dorthin pflegt Manoharā, die Tochter Drumas, des Königs der Kinnaras, vom Berg Kailāsa zu kommen, um sich am Lotusteich zu vergnügen, begleitet von vielen Kinnaras und Kinnarīs.“
Der scharfsinnige Jäger fragte den Seher listig: „Herr“, sagte er, „ich habe gehört, dass es Menschen gibt, die mit den Kinnarīs spielen und sich vergnügen. Wie sind die Kinnarīs in die Macht dieser Menschen gelangt?“
Der Seher antwortete: „Sie sind durch einen Zauber gebunden[10] und können nicht verschwinden.“ Der gutmütige Seher erzählte all dies gedankenlos und ahnte nicht, dass der Jäger hinter einer Kinnarī her war.
Nachdem der Jäger den Seher gegrüßt hatte, ging er zum Lotusteich, wo die Tochter Drumas, des Königs der Kinnaras, sich vergnügte. Die Kinnarīs, vertieft in ihren Gesang und ihr Flötenspiel, bemerkten den Jäger nicht.
Manoharā fiel dort durch ihre Schönheit und Stimme besonders auf.
Der Jäger stellte sich nahe genug, dass sie ihn hören konnte, und belegte Manoharā mit folgendem Zauber:
Du bist die glorreiche Tochter König Drumas, des Königs der Kinnaras. Durch diesen Zauber bleibe still; du bist ein Jagdhund, eine Kinnarī.
Da du die Tochter König Drumas bist, von König Druma erzogen, rühre dich durch diesen Zauber, gute Manoharā, nicht von der Stelle.
So wurde Manoharā vom Jäger durch einen Zauber gefangen genommen und konnte nicht verschwinden. Doch die anderen Kinnaras und Kinnarīs verschwanden.
(98) Der Jäger brachte Manoharā nach Siṃhapura, wo sie in den Opferhof gebracht wurde. Als König Sucandrima und die große Menschenmenge die Kinnarī sahen, waren sie sehr erfreut über den Jäger, der eine reiche Belohnung erhielt.[11]
In Ketten gelegt, wurde Manoharā so in Sucandrimas Stadt Siṃhapura geführt, die zu einer Stadt der Brahmanen geworden war,[12] und in den Opferhof gebracht.
Als König Sucandrima alles für das Opfer vorbereitet hatte, sandte er einen Boten zu König Subāhu nach Hastināpura mit der Botschaft: „Ich vollziehe ein großes Opfer mit Tieren aller Art. Kommt und erfreut euch daran.“
König Subāhu aber sandte seinen Sohn mit den Worten: „Geh nach Siṃhapura. König Sucandrima wird ein großes Opfer darbringen. Geh und erfreue dich daran.“
Prinz Sudhanu kam nach Siṃhapura, zusammen mit mehreren hundert anderen Königen. Unter ihnen allen übertraf Prinz Sudhanu alle an Schönheit, Pracht, Begleitung und Duft. Er betrat das Opfergehege in Begleitung mehrerer hundert Könige. Dort sah er Tausende von Lebewesen, sowohl Land- als auch Wassertiere. Auch die Kinnarī erblickte er.
Sobald Prinz Sudhanu die Kinnarī sah, empfand er[13] tiefe Liebe für sie, und auch sie empfand Liebe für Sudhanu.
Wie der Erhabene in einem Vers einer seiner Reden sagte:
„Durch das Zusammenleben in der Vergangenheit und durch Güte in der Gegenwart entsteht diese Liebe,[14] wie ein Lotus im Wasser.“
So verliebten sie sich auf den ersten Blick.
Prinz Sudhanu fragte König Sucandrima: „Warum sind all diese Tausenden von Lebewesen im Opfergehege eingesperrt?“ Der König antwortete: „Mit ihnen bringe ich ein Opfer dar; es wird reichlich zu essen geben, sowohl feste als auch weiche Speisen.“
Der Prinz (99) fragte: „Welchen Nutzen hat dieses Opfer? Was bringt es? Was bringt ein Opfer, bei dem all diese Lebewesen geschlachtet werden?“ Der König antwortete: „Alle Lebewesen, die bei diesem Opfer getötet werden, kommen in den Himmel. Und ich werde im Himmel so oft wiedergeboren werden, wie ich Lebewesen bei diesem Opfer töte.“
Der Prinz erwiderte: „Eure Majestät, ist dies nicht eine falsche Ansicht?
Denn die höchste Regel des Dharma[15:Das höchste Dharma] ist, keinen Schaden zuzufügen.[16]
Leben zu nehmen ist nicht Dharma; sich vom Töten fernzuhalten, ist Dharma. Stehlen ist nicht Dharma; sich vom Stehlen fernzuhalten, ist Dharma. Sich sinnlichen Vergnügungen hinzugeben, ist nicht Dharma; sich vom Hingeben sinnlicher Vergnügungen fernzuhalten, ist Dharma. Berauschende Getränke zu trinken ist nicht Dharma; sich vom Trinken berauschender Getränke fernzuhalten, ist Dharma. Lügen zu erzählen ist nicht Dharma; sich vom Lügen fernzuhalten, ist Dharma. Verleumden ist nicht Dharma; sich von Verleumdung fernzuhalten, ist Dharma. Leeres Geschwätz[17] ist nicht Dharma; sich von leerem Geschwätz fernzuhalten, ist Dharma. Unwissenheit“ Unwissenheit ist nicht Dharma; sich von Unwissenheit fernzuhalten, ist Dharma. Böswilligkeit ist nicht Dharma; sich von Böswilligkeit fernzuhalten, ist Dharma. Falscher Glaube ist nicht Dharma; rechter Glaube ist Dharma. Der Pfad der zehn rechten Handlungen ist Dharma. Eure Majestät, jene, die dem Pfad der zehn falschen Handlungen folgen, werden in der Hölle wiedergeboren. Jene, die dem Pfad der zehn rechten Handlungen folgen, werden im Himmel wiedergeboren. In diesem Fall ist der von Eurer Majestät eingeschlagene Pfad nicht der Pfad zum Himmel; er ist der Pfad, der zur Hölle führt.“
Als König Sucandrima diese Darlegung des Dharma durch Prinz Sudhanu hörte, waren er und alle anderen Könige sowie die große Menge erfreut. Und nachdem er sie gehört hatte, ließ er alle Lebewesen, sowohl Land- als auch Wassertiere, frei.
(100) Manoharā, die Kinnarī, klammerte sich an Prinz Sudhanu. Sie kümmerte sich nicht um die Welt der Kinnaras, weil sie Sudhanu liebte. Und Sudhanu wiederum kümmerte sich nicht mehr um die Freuden des Spiels, weil er Manoharā liebte.
Auf Geheiß von Prinz Sudhanu brachte König Sucandrima ein einwandfreies[18] Opfer dar. Mehrere tausend Einsiedler, Brahmanen, Bettler und Wanderer wurden mit Speisen und Getränken versorgt und mit Gewändern bekleidet.
Nach dem Opfer bestieg Prinz Sudhanu mit Manoharā einen Elefanten und verließ Siṃhapura in großem Pomp und Prunk in Richtung Hastināpura.
Als der junge Prinz die Stadt Hastināpura betrat, war sie festlich geschmückt. Markisen waren über sie gespannt. Sie war mit leuchtenden Stoffen ausgelegt und mit Girlanden aus feinem Tuch behängt; Es wurde besprengt und gefegt, mit Weihrauch parfümiert und mit Blumen bestreut. Überall waren Pantomimen, Tänzer, Athleten,[19] Ringer, Minnesänger[20] und Trommler zu sehen. So zog Prinz Sudhanu, begleitet von Manoharā, in großem Pomp und Prunk auf dem Rücken eines Elefanten in Hastināpura ein. Der Prinz entließ alle königlichen Dienerinnen und vergnügte sich allein mit Manoharā. Die tausend Pflichten in König Subāhus sechzigtausend Städten wurden vernachlässigt; mehrere tausend Aufgaben[21] blieben unerledigt.
Die Bürger und Provinzbewohner wandten sich an König Subāhu. „Eure Majestät“, sagten sie, „Prinz Sudhanu ist völlig von Manoharā, dem Kinnarī, abgelenkt. Er kümmert sich nicht um die ihm anvertrauten Angelegenheiten. Seine Pflichten als Herrscher werden vernachlässigt, und mehrere tausend Aufgaben in den sechzigtausend Städten bleiben unerledigt.“
König Subāhu rief Prinz Sudhanu zu sich und sprach: „Mein Sohn, meine Untertanen protestieren lautstark. Sie sagen, du kümmerst dich nicht mehr um die Angelegenheiten wie früher, sondern verbringst deine Zeit damit, dich mit Manoharā zu beschäftigen.
Mein Sohn, schick diese Kinnarī fort. (101) Lass sie gehen.“
Doch der Prinz, gefangen in seiner Sehnsucht nach Manoharā, wollte sie nicht gehen lassen. Immer wieder sagte sein Vater zu ihm: „Mein Sohn, schick diese Kinnarī fort. Ich werde dir stattdessen königliche Jungfrauen bringen lassen,[22] so viele du willst.“ Der Prinz aber weigerte sich trotz der wiederholten Bitten seines Vaters, sie fortzuschicken.
Auch die Minister berichteten König Subāhu wiederholt: „Eure Majestät, Prinz Sudhanu, besessen von der Kinnarī Manoharā, vernachlässigt seine Pflichten als Herrscher, und viele königliche Aufgaben werden vernachlässigt.“
Der König befahl seinen Ministern, den Prinzen einzusperren, und diese folgten seinem Befehl. Doch mit der Gefangenschaft des Prinzen verlor der Hof sein Glück[23] und all sein Wohlstand schwand.
König Subāhu selbst befahl Manoharā, nach Nirati[24], der Stadt der Kinnaras, zu gehen. „Manoharā“, sprach er, „geh. Ich befehle dir, dorthin zu gehen, wo die angenehmen und kühlen Wälder sind, zu deinen Eltern.“
Dann verließ sie, in all ihrer Pracht gekleidet, den Palast. Und als sie dies tat, weinten Tausende von Sudhanus Frauen um Manoharā. In Hastināpura hatten sich die Bürger in großer Zahl[25] links und rechts versammelt, als Manoharā die Stadt verließ. Links und rechts wurde sie von Tausenden ausgestreckter Hände gegrüßt[26], von Tausenden Frauen mit duftenden Girlanden geehrt und von einer großen Menschenmenge begleitet. Nachdem sie Hastināpura schließlich verlassen hatte, entließ sie die Menge und wandte sich nach Norden, wo sich der Himalaya, der König der Berge, erhob. Doch immer wieder blickte sie zurück nach Hastināpura und Sudhanu.
Dort oben im Himalaya, am Ufer des Flusses Sutlej, jagten zwei Jäger Hirsche. Der eine hieß Utpalaka, der andere Mālaka. Von Weitem sahen sie Manoharā, die Kinnarī, kommen, in all ihrer Pracht geschmückt, reich gesalbt und mit unverwelkten, duftenden Girlanden. Doch immer wieder blickte sie zurück. Sie erkannten sie als Kinnarī und verneigten sich mit erhobenen Händen vor ihr. Sie fragten:
„Geht und seht euch um; seht euch um und geht weiter. Warum, Herrin, seht ihr euch um, und wohin geht ihr?“
Manoharā antwortete:
„Ich sehne mich nach zwei Dingen: [meinem Herrn][27] und der Heimat der Wilden.[28] Ich blicke hinab zu Sudhanu, und doch möchte ich nach Nirati gelangen.“
Da sagten die Jäger:
„Prinz Sudhanu hat Frauen von den Kurus und Pañcālas.[29] Er vergnügt sich mit ihnen; er wird nicht an euch denken.“[30]
Manoharā antwortete:
Ich kann Sudhanu mit einem Blick und einem Lächeln zeichnen. Selbst wenn er so groß wie ein Elefant wäre, hätte ich noch die Kraft, ihn zu halten.
Sie gab den Jägern einen Fingerring, den sie trug, im Wert von hunderttausend Silberstücken, und eine Tālīsa-Girlande[31] und sprach: „Wenn Prinz Sudhanu mir nachkommt und mich sucht, gebt ihm diese Zeichen und grüßt ihn in meinem Namen. Sagt ihm: ‚Kehre um, du bist auf einem beschwerlichen Weg (103) jenseits der Menschen.‘ Denn es ist mein Schicksal, fern von den Menschen zu leben.“
Nachdem sie die Jäger so angewiesen hatte, überquerte Manoharā den Fluss Sutlej, ohne ihn auch nur mit ihren Fußsohlen zu berühren.
Als König Subāhu erfuhr, dass Manoharā fort war, ließ er Prinz Sudhanu rufen, der von seinen Eltern umarmt wurde. „Mein Sohn“, sagten sie zu ihm, „denke nicht mehr an die Kinnarī. Du hast einen großen Harem, und ich werde noch Tausende anderer Frauen bekommen. Vergnüge dich damit, erfreue dich und amüsiere dich. Was geht dich die Kinnarī an? Du bist ein Mensch.“
So tröstete der König den Prinzen und befahl seinen Ministern: „Lasst das Haus des Prinzen schmücken.“
Den Frauen gab er die Anweisung: „Sorgt dafür, dass es dem Prinzen gut geht, damit er nicht mehr an Manoharā denkt.“
Auf Befehl des Königs wurde das Haus des Prinzen so geschmückt, dass es in jeder Hinsicht einem himmlischen Palast glich.[32] In den sieben Eingangshallen wurden Krüge mit duftenden Pulvern aufgestellt, ungeschältes Getreide[33] und all die anderen Dinge, die in der Welt als Glückszeichen[34] gelten.
Tausende Brahmanen bewachten die Tür des Prinzen, und eine weitere große Schar von Menschen hielt Wache vor ihm.
Nachdem sein Vater den Prinzen so getröstet hatte, entließ er ihn. „Geh nach Hause“, sprach er, „verrichte deine Gebete, bade und salbe dich. Dann, geschmückt mit Girlanden und Juwelen, vergnüge dich, genieße und erledige die königlichen Angelegenheiten.“ So von seinem Vater angewiesen, wurde Prinz Sudhanu entlassen.
Nachdem er den Palast verlassen hatte, machte er sich mit seinem treuen Gefährten Vasantaka von Hastināpura auf den Weg zum Himalaya, dem König der Berge, auf der Suche nach Manoharā. Der Prinz kümmerte sich nicht um die sechzigtausend reichen Städte (104) seines Vaters, die Dörfer und Provinzen und seinen geräumigen Harem. So sehr trauerte er um Manoharā und gedachte ihrer.
Als er die Klage des Königs vernahm, entsagte er allem und machte sich in ungewaschenen und schmutzigen Kleidern auf den Weg.
Er nahm einen treuen und liebevollen Begleiter mit sich und wandte sich dem Herrscher der Berge zu; er begab sich in den Himalaya.
Bald erreichte er die sanften Berghänge des Himalaya und erblickte dort die beiden Jäger Uppalaka und Mālaka.
Er sah auch den Sutlej, stets klar und rein wie Kristall…[38]
Der Sutlej, mit seinem angenehm kühlen Strom, floss sanft, frisch und anmutig dahin, zwischen grünen Ufern. Er hätte ein ganzes Heer tragen können.[39]
Sudhanu fragte: „Ihr Jäger, habt ihr eine dunkelhäutige Frau vorbeiziehen sehen, reich gesalbt und mit einer duftenden, unverwelkten Girlande?“
Sie antworteten: „Die, die ihr sucht, ist vor langer Zeit hier. Sie hat den Fluss überquert und ist inzwischen im Himalaya angekommen.“
Sie warnte uns: „Wenn ein Mann namens Sudhanu mir nachfolgt, (105) gebt ihm dieses Zeichen.“
„Gebt ihm meinen Fingerring und diese duftende Tālīsa-Girlande. Er ist mein Gatte, Herr und Meister.
O Jägerinnen, grüßt meinen Herrn in meinem Namen. Lasst ihn nach Hastināpura zurückkehren. Denn es ist mein Schicksal, in Enthaltsamkeit von ihm getrennt zu leben.
Freudig ergriff er die Girlande und den Ring und sprach: „Ich gehe entweder in den Tod oder zur Wiedervereinigung mit Manoharā.“
Die beiden Jägerinnen antworteten Sudhanu: „Nun“, sagten sie, „kehre von hier zurück. Welche Frau in der Stadt Hastināpura könnte dir nicht ergeben sein?“
Doch dies lag ihm nicht im Herzen, und er hörte nicht auf ihre Worte. Er war entschlossen, trotz allem zu gehen, und er überquerte den großen Strom des Sutlej.
Die Jäger, die dort zurückblieben, dachten: „Der König wird sehr erzürnt sein, wenn wir Sudhanu in seinem gefährlichen Unternehmen im Stich lassen.“
So überquerten auch sie den Fluss, während Herden von Tigern, Löwen und Elefanten brüllten, Hirsche und Vögel seinem Lauf folgten und rote Gänse fröhlich schnatterten.
Und sogleich überquerten sie den großen Fluss, dessen Wasser dahinfloss[42], begleitet vom Gesang der Gänse und Schwäne, dem Zischen der Schlangen und den Rufen der Kinnaras.
So betraten der Prinz, sein Begleiter Vasantaka und die Jäger Utpalaka und Mālaka, entschlossen, Manoharā einzuholen, zu Fuß den Himalaya, die Herrscherin der Berge. (106) Manoharā band sich weiterhin Girlanden aus den vielen bunten Blumen, die am Wegesrand wuchsen.[43] Die anderen sahen die Blumen, die sie zurückließ, und folgten ihr.
Hier hatte die dunkelhäutige Frau angehalten, um sich auszuruhen, und war dann weitergezogen. Dort hatte sie sich einen Augenblick niedergelassen, wie der Haufen Blumen bewies.[44]
Hier lagen makellose Girlanden, die sie gebunden hatte, und hier und da sah man die wunderschönen Ohrringe aus Blumen, die sie gefertigt hatte.
So wussten sie, dass die dunkelhäutige Frau vorübergegangen war, und so zogen sie weiter. Sie sahen Schmuckstücke aller Art auf dem Weg liegen und an den Ästen der Bäume hängen. Sie sahen auch andere Zeichen.
Je tiefer sie in den Himalaya vordrangen, desto zahlreicher wurden die Edelsteine, die sie sahen. Sie sahen Berge mit goldenen Gipfeln und Berge mit silbernen Gipfeln. Sie sahen Schmiede, die Eisen, Kupfer und Messing bearbeiteten. Sie sahen Zinkberge[45], Berge aus Antimon[46] und Berge aus rotem Arsen.[47] Sie sahen Paare von Kinnaras, die sich vergnügten. Und viele hunderte weitere Wunder und Zeichen sahen sie.
In alle Richtungen war der Gesang der Kinnaras zu hören, das Brüllen von Löwen, Tigern und Bären und die Schreie verschiedener anderer wilder Tiere. Sie hörten die Schreie von Yakshas, Rakshasas, Piscas und Kumbhandas.[48] Sie sahen Hunderte von Heilkräutern verschiedenster Art und Zauberer.
Auf ihrem Weg erblickten sie die Einsiedelei des Sehers Kāśyapa. Sie war reich an Wurzeln, Blättern, Blüten und Früchten, lag im Schatten tausender Bäume und war gut bewässert. Sie betraten die Einsiedelei und sahen dort den ehrwürdigen und angesehenen Seher Kāśyapa mit seinen Begleitern sitzen. Sie grüßten den Seher (107) und seine Begleiter und traten vor sie.
Der Seher dachte bei sich: „Dieser erhabene Prinz muss gut und tugendhaft sein, da er zu dieser Einsiedelei gekommen ist. Es ist ein Ort, der nicht leicht zu erreichen ist.“ Er begrüßte den Prinzen mit den Worten: „Willkommen, Prinz, nehmt bitte Platz. Hier sind Liegen.“ Der Prinz und seine Begleiter setzten sich. Der Seher reichte ihnen Früchte, die so süß wie reiner Honig waren, und Wasser.
Nachdem der Prinz die Früchte gegessen und das Wasser getrunken hatte, fragte ihn der Seher: „In welchem Auftrag kommt der wohlhabende und erfolgreiche Prinz?“
Der Prinz erwiderte: „Herr, habt Ihr eine schöne Frau vorbeigehen sehen?“
Der Seher antwortete: „Ja, ich sah sie. Sie kam und verweilte in dieser Abtei. Dann verneigte sie sich vor meinen Füßen und ging weiter die Berghänge hinauf. So kehrt Eure Hoheit von dieser Abtei um. Es war eine beschwerliche Reise für den Prinzen, überhaupt bis hierher zu gelangen. Wie wird es ihm aber ergehen, noch weiter auf einem Pfad zu gehen, den kein Mensch betreten hat? Kehrt daher um.“
Doch der Prinz sprach: „Herr, ich kann nicht umkehren. Ich werde denselben Weg gehen, den Manoharā gegangen ist.“ Der Seher sprach: „Die Wege der Kinnaris unterscheiden sich von denen der Menschen. Nicht einmal Vögel können in die Wege der Kinnaris vordringen.[49] Wie viel weniger können es die Menschen? Auch Vögel gelangen auf unerklärliche Weise an diesen Ort. Wo die Kinnaris sich freudig aufhalten und ihr Leben in Glückseligkeit genießen, dieser Ort, o Prinz, ist für die Schritte der Menschen unzugänglich. Kehre daher von diesem Rückzugsort um. Dein Vater ist Herr über sechzigtausend Städte. Sollte sich der Prinz nicht mit edlen Genüssen vergnügen und erheitern? Er kann diesen unzugänglichen Ort nicht aufsuchen.“
Der Prinz aber erwiderte: „Entweder sterbe ich oder ich sehe sie.“[50]
(108) Nun war der Seher ein hochbegabter Mann von großem Herzen und Mitgefühl. Er dachte bei sich: „Wenn der Prinz diesen unzugänglichen Ort aufsucht, wird er gewiss zugrunde gehen.“
So sprach er: „Prinz, bleibe diese Nacht hier in der Einsiedelei, bis die Affen kommen. Der Anführer ihrer Herde ist mir ergeben und kommt ständig, um mir seine Ehrerbietung zu erweisen und mir Früchte zu bringen, die so süß sind wie frischer Honig. Ich werde diesen Affenkönig um etwas bitten, und er wird dich in die Stadt Nirati führen, die Druma, dem König der Kinnaras, gehört.“ Der Prinz blieb die Nacht über hier. Als der Morgen graute, hörte er ein Geräusch wie von einem vorbeilaufenden Löwen. Er fragte die jungen Gefährten des Sehers: „Wen habe ich da vorbeilaufen hören?“
Einer von ihnen antwortete: „Das war der König der Affen. Um diese Tageszeit bringt er regelmäßig Früchte, so süß wie frischer Honig, und eilt von Dickicht zu Dickicht, um sich vor unserem Herrn zu verneigen.“
Der Prinz stand eifrig auf und merkte sich, woher das Geräusch des laufenden Affen kam. Und dann sah er den König der Affen von einem Dickicht zum anderen kommen.
Der König der Affen kam zur Einsiedelei, warf dem Seher die mitgebrachten honigsüßen Früchte vor die Füße und setzte sich.
Der Seher sprach zu ihm: „O König der Affen, erweise mir einen Gefallen.“
Der König der Affen antwortete: „Das werde ich, Herr. Befiehl mir.“
Der Seher sprach: „Gehe diesen Prinzen und seine drei Gefährten in die Stadt Nirati des Kinnara-Königs Druma.“
Der Affe antwortete: „Das werde ich tun.“
Der König der Affen nahm den Prinzen und seine drei Gefährten auf seinen Rücken und verließ die Einsiedelei. Er durchquerte Berggipfel und Wälder und erreichte bald die Stadt Drumas, des Königs der Kinnaras, (109) auf dem Gipfel des Berges Kailāsa.
Und auf dem Gipfel des Berges Kailāsa erblickte er die Stadt Nirati, die Druma, dem König der Kinnaras, gehörte.
Diese Stadt war kunstvoll aus Gold erbaut. Sie war von tausend Parks und Lotusteichen umgeben, die mit allen Edelsteinen geschmückt waren. Ihre Stufen bestanden aus Beryllplanken und waren ebenfalls mit Edelsteinen verziert, und sie waren von Geländern aus den sieben Edelsteinen umgeben. Duftende blaue, rote, gelbe und weiße Lotusblumen bedeckten die Teiche, und ihre Ufer waren mit Edelsteinen besetzt.
Boote, die mit verschiedenen Juwelen glänzten, schwebten darauf, hell wie der Frühling, und auch andere Arten von Booten segelten darauf. Die Stadt war von tausenden von Wäldern voller bunter Blüten, Blätter und Früchte durchzogen und wurde durch Atimuktaka,[52] Campaka, Vārṣika[53], Arabischen Jasmin,[54] Großblütigen Jasmin,[55] Gefüllten Jasmin[56] und Yūthika[57] verschönert. Hier und da sahen sie Tausende von Kinnaras-Paaren, die sich vergnügten. Einige spielten auf Flöten[58], andere auf verschiedenen anderen Musikinstrumenten, und wieder andere sangen mit lieblichen Stimmen um Manoharā herum.
In der ganzen Stadt waren die Klänge unzähliger Musikinstrumente und die süßen Gesänge zu hören.
Und dann, als sie dort außerhalb der Stadt des Königs der Kinnaras in einem Hain standen, sahen sie eine Gruppe Kinnarīs. Sie waren anmutig, schön, festlich geschmückt und prächtig gekleidet und kamen mit goldenen Krügen in den Händen, um Wasser aus dem Teich zu schöpfen, in dem Sudhanu stand.
Sudhanu fragte sie: „Welches Fest wird in der Stadt gefeiert, dass hier so große Freude herrscht?“
Sie antworteten: „Heute ist weder Fest noch Feiertag. Doch die Tochter Manoharā des Königs Druma der Kinnaras, die von Männern verführt worden war, ist nach vielen Jahren zurückgekehrt. Und bei ihrer Ankunft jubeln Druma, der König der Kinnaras, und seine ganze Stadt. Daher all dieses Fest.“
Sudhanu fragte: „Wohin soll dieses Wasser gebracht werden?“ Sie antworteten: „Manoharā wird baden, damit der Geruch der Männer von ihr abfällt.“
Der Prinz legte den Fingerring in den letzten Krug, so dass die Kinnarīs ihn nicht sahen.
Manoharā badete, und während sie badete, fiel der Fingerring aus dem Krug auf ihren Schoß. Als sie den Fingerring sah, erkannte sie ihn. Sie dachte bei sich: „Prinz Sudhanu ist gekommen, um mich zu suchen. Er wurde so vornehm erzogen.[59] Wie konnte er nur an diesen unzugänglichen Ort gelangen?“
Da legte sie sich eilig ihre Kleider an. Weinend und schluchzend warf sie sich ihren Eltern zu Füßen und sagte: „Mein Mann aus Jambudvīpa ist gekommen. Er heißt Sudhanu und ist ein Prinz, der einzige Sohn von König Subāhu.“
Doch Druma, der König der Kinnaras, glaubte ihr nicht.[60] „Meine Tochter“, sagte er, „es ist unmöglich, dass Menschen hierherkommen.“
Manoharā erwiderte: „Doch, Vater, er ist ganz offensichtlich gekommen.“
Druma, der König der Kinnaras, fragte: „Hast du ihn selbst gesehen oder von jemand anderem von ihm gehört?“
Sie antwortete: „Ich habe ihn weder selbst gesehen noch von jemand anderem von ihm gehört. Doch als ich badete, fiel mir Sudhanus Fingerring in den Schoß.“
Druma, der König der Kinnaras, rief die Wasserträger und fragte sie: „Als ihr Wasser holtet, wo saht ihr da einen Mann?“ Sie antworteten: „Eure Majestät, wir sahen einen stattlichen jungen Mann aus dem Volk der Kinnaras mit drei Begleitern am Rande eines Lotusteichs.“ Er dachte bei sich: „Das ist offensichtlich Manoharās Prinz. Wie konnte er hierher gelangen?“
Dann fragte er seine Tochter: „Manoharā, soll ich Prinz Sudhanu bitten, den Palast zu betreten?“ Sie antwortete: „Ja, Vater. Lass ihn eintreten. Er ist wegen seiner Liebe zu mir hierher gekommen, und ihretwegen ist er bei seinem Vater, der ihn einst einsperrte und bestrafte, in Ungnade gefallen. Aber er würde mich niemals verraten.
Als Prinz Sudhanu von König Subāhu in seinem Haus eingesperrt wurde, schickte man mich fort. Sobald er freigelassen wurde, machte er sich auf die Suche nach mir.“
Drama, der König der Kinnaras, befahl seinen Ministern: „Schnell soll die Stadt geschmückt werden, einschließlich des Königspalastes und der Lotusteiche der Asuras[62]. Ein Sonnensegel soll aufgespannt und leuchtende Blumen verstreut werden; die Stadt soll mit feinen Stoffbahnen umhüllt, besprengt und gefegt, mit Blumengirlanden bestreut und mit duftendem Wasser getränkt werden. Alle meine führenden Männer der Stadt und des Heeres sollen mit ihren Streitwagen, geschmückt mit Fahnen und Bannern, meinem Schwiegersohn entgegenziehen.“
Alle Befehle des Königs wurden von seinen Ministern ausgeführt, und ein prunkvoller Empfang wurde ausgerichtet. Auch Manoharā, in einen kostbaren Mantel gehüllt und prächtig mit allerlei Schmuck behängt, zog ihm entgegen, begleitet von mehreren tausend Kinnaras und unter dem Klang tausender Musikinstrumente. Als sie Sudhanu erblickte, verneigte sie sich vor seinen Füßen und berührte sie mit Gesicht und Haar.
So wurde Sudhanu mit großem Prunk und Pomp in die Stadt Dramas, des Königs der Kinnaras, und in den königlichen Palast geleitet. Dort wurde er von König Drama willkommen geheißen, umarmt und getröstet.
„Diese Stadt“, sprach der König zu ihm, „die ganz aus Gold besteht, von tausenden Gärten umgeben und unendlich schön ist, gehört dir. Hier, mit meiner Tochter Manoharā, vergnüge dich und amüsiere dich.“
Nachdem Sudhanu nun viele Jahre in der Stadt der Kinnaras gelebt und sich vergnügt hatte, verspürte er den Wunsch, nach Hause zurückzukehren. [63] „Manoharā“, sagte er, „du weißt, dass ich der einzige Sohn meiner Eltern bin, ihnen lieb und teuer. Aus Liebe zu dir (112) und ohne meine Eltern um Erlaubnis zu fragen, habe ich alles aufgegeben, freiwillig entsagt und bin hierher gekommen. Und nun lebe ich schon seit vielen Jahren hier. Deshalb sage deinen Eltern, dass ich nach Hastināpura zurückkehre.“
Manoharā berichtete dies ihren Eltern. Druma, der König der Kinnaras, fragte Sudhanu: „Kehrst du zu deinen Eltern zurück?“ Der Prinz antwortete: „Wenn es Euer Einverständnis ist, werde ich gehen.“ Druma sagte: „Ich werde dich gehen lassen.“
Nun standen die Yakṣas, die Yambhakas genannt wurden, unter der Herrschaft der Kinnaras, und der König befahl ihnen: „Geht meinen Schwiegersohn, sein Gefolge und Manoharā nach Hastināpura und nehmt eine große Menge aller Arten von Edelsteinen mit.“ Und sie hoben Prinz Sudhanu, sein Gefolge und Manoharā, die schliefen, hoch und trugen sie und eine große Menge Edelsteine aus der Stadt der Kinnaras nach Hastināpura, wo sie sie in einem königlichen Park absetzten.
Im Morgengrauen erwachte Prinz Sudhanu und hörte das Dröhnen der Dramen und den Lärm der Menschen in Hastināpura. Er fragte sich: „Wie bin ich nach Hastināpura gekommen?“ Da erkannte er den königlichen Park, die juwelenbesetzten Sänften, als wären sie eigens dort aufgestellt worden,[66] und Manoharā mit seinen drei Gefährten sowie den unermesslichen Schatz. Er war froh, in seine geliebte Stadt zurückgekehrt zu sein.
König Subāhu hatte nach dem Aufbruch des Prinzen aus Hastināpura eine intensive Suche nach ihm veranlasst. Als er ihn nicht finden konnte, sagte er: „Mein Sohn muss auf der Suche nach Manoharā umgekommen sein.“ So hatte der König die Bestattungsriten für den toten Prinzen Sudhanu angeordnet. Auch alle Bewohner des Ortes glaubten, Sudhanu sei tot.
Dann eilten die Parkwächter aus der Stadt, um im königlichen Park am Haupttor die Fahnen zu hissen. (113) Als sie den Park erreichten, sahen sie Sudhanu, Manoharā und die drei Gefährten, die juwelenbesetzten Sänften und den großen Haufen Edelsteine. Nachdem sie all dies gesehen hatten, eilten sie zurück und betraten Hastināpura. Die Leute fragten: „Ist alles in Ordnung?“[67] Sie antworteten: „Alles ist in Ordnung. Prinz Sudhanu ist zurückgekehrt.“ Und die Leute freuten sich sehr darüber.
Die Parkwächter begaben sich zum Königspalast und erstatteten König Subāhu Bericht. „Eure Majestät“, sagten sie, „alles haū! Prinz Sudhanu ist gekommen.“ Der König und sein ganzer Hofstaat jubelten über diese Nachricht, und den Parkwächtern wurde eine großzügige Belohnung zuteil.
König Subāhu, seine Minister und Diener, die Königin, Sudhanus Mutter und alle Frauen des Hofes eilten in den Park, um den Prinzen zu sehen. Und alle Bürger taten es ihnen gleich, als sie von der Ankunft von Prinz Sudhanu und Manoharā hörten. Eine große Menschenmenge[68] eilte aus Hastināpura in den königlichen Park, um den Prinzen und Manoharā zu sehen.
Als Sudhanu seine Eltern erblickte, verneigte er sich ehrfurchtsvoll vor ihnen, und Manoharā tat es ihm gleich, als sie ihre Schwiegereltern sah. Der Prinz bestieg zusammen mit seinem Vater Subāhu einen prächtig geschmückten Elefanten, der mit einem goldenen Netz behängt war, und zog mit großem königlichem Pomp und Prunk in Hastināpura ein.
So sollen alle Menschen, die Torheit ablegen, sich mit all ihren Lieben vereinen, so wie Sudhanu sich bei dieser Gelegenheit mit der Kinnarī vereinigte.
Der Erhabene sprach: „Mönche, ihr Mönche, mögt einwenden, dass der Prinz Sudhanu zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war. Das dürft ihr nicht denken. Denn ich, ihr Mönche, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit der Prinz Sudhanu.
Mönche, ihr Mönche, mögt einwenden, dass der König Subāhu zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war. Auch das dürft ihr nicht denken. Denn König Śuddhodana hier, ihr Mönche, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit König Subāhu.
(114) Ihr mögt einwenden, dass die Mutter Sudhanus zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war. Das dürft ihr nicht denken. Denn Königin Māyā hier, ihr Mönche, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit Sudhanus Mutter.
Mönche, ihr Mönche, mögt einwenden, dass Sudhanus Diener Vasantaka zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war.“ Andernfalls.
Das dürft ihr nicht denken. Und warum? Chandaka hier, ihr Mönche, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit Sudhanus Diener.
Ihr mögt denken, dass der Jäger namens Uppalaka zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war.
Das dürft ihr nicht denken. Warum? Rāhula hier, ihr Mönche, war der Jäger namens Uppalaka.
Ihr mögt denken, dass der Jäger namens Mālaka zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war.
Das dürft ihr nicht denken. Und warum? Der ältere Ānanda hier, ihr Mönche, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit der Jäger namens Mālaka.
Ihr mögt denken, dass der Seher namens Kāśyapa zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war.
Das dürft ihr nicht denken. Warum? Der ältere Mahā-Kāśyapa hier, ihr Mönche, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit der Seher des Kāśyapa-Clans, der im Himalaya lebte.
Ihr mögt denken, dass zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit Bei dieser Gelegenheit war der König der Affen im Himalaya jemand anderes.
Das dürft ihr nicht denken. Und warum? Kaṇṭhaka hier, Mönche, der König der Pferde, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit der König der Affen im Himalaya.
Ihr mögt denken, dass der Kinnara-König Druma, der auf dem Gipfel des Kailash lebte, jemand anderes war.
Das dürft ihr nicht denken. Und warum? Der Śākyan Mahānāma hier, Mönche, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit der Kinnara-König Druma.
Ihr mögt denken, dass die Mutter von Manoharā zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war.
Das dürft ihr nicht denken. Und warum? Yaśodharās Mutter hier, Mönche, war zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit die Mutter von Manoharā.
Ihr mögt denken, dass Manoharā zu jener Zeit und bei jener Gelegenheit jemand anderes war.
Das dürft ihr nicht denken. Und warum? Yaśodharā hier, Mönche, zu dieser Zeit und bei dieser Gelegenheit war Manoharā die Kinnarī.
Auch dann gelang es mir erst nach großer Mühe, sie für mich zu gewinnen.
(115) Wer mit brillanter und tiefgründiger Beredsamkeit, mit großem Wissen, wer die Begierden vernichtet und seine Gegner besiegt, der, ihr Mönche, leuchtet in seiner Lehre vom Selbstwerden wie der Vollmond am Himmel.
Hier endet das Kinnarī Jātaka.
Notizen : [12] Siṃhapura, being, of course, a “city of lions"